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György KURTAG Biographie


György KURTAG (*1926)
Kurtag stammte aus Rumänien, wurde 1948 ungarischer Staatsbürger und studierte Komposition in Budapest, u.a. bei Sandor Veress, der bekanntlich später jahrelang in Bern unterrichtete. Kurtag sieht sich in der abendländischen Musiktradition ("Meine Muttersprache ist Bartok, und Bartoks Mutterprache war Beethoven"). 1957/58 in Paris studierte er auch bei Milhaud und Messiaen. Dort geriet er in eine tiefe Schaffenskrise und begegnete der ungarischen Psychologin Marianne Stein. Diese riet ihm zu einfachsten Formen ("nur zwei Töne verbinden"). Aus diesem Anfang entstand in Budapest als erstes Werk in ganz eigenem Stil das Streichquartett op 1. Kurtag sagt zum ersten, nur eine Minute dauernden Satz: "Ein Insekt sucht den Weg zum Licht. Den Lichtschein versinnbildlicht der Flageolettakkord (am Schluss) und dazwischen all dieser Schmutz". Sieben Takte am Anfang bilden die  Exposition "Ein Fleckerlteppich, aus verschiedenen Farben und Mustern zusammengesetzt", Kurtag später: "Diese 7-Takt-Exposition ist nicht nur der Ausgangspunkt für diesen einen Satz, sondern für das ganze Quartett und darüber hinaus für ein ganzes Lebenswerk."  Das Quartett und überhaupt Kurtags Lebenswerk verbindet Bartoks urmusikantisches ungarisches Idiom mit dem aufs wesentlichste abgemagerten Minimalismus Weberns. Kurtags Musik ist nie Kopfgeburt, nie angewandte Theorie und nie geschwätzig. Sondern sie ist immer dichtester musikalischer Ausdruck, Gestus, Aussage, Klang. Deshalb ist Kurtag für den unvoreingenommenen Hörer leicht und sinnlich erfahrbar. Dabei assoziert Kurtag frei und ohne Scheu Techniken und Material anderer Komponisten (Schumann, Webern, Stravinski, etc.), was er oft deklariert, indem er das Stück den betreffenden als "Hommage" widmet. 

György KURTAG
Kafka-Fragmente op. 24 für Sopran und Violine (1985-1986)

Auf Anregung von György Ligeti nimmt Kurtág als Meister der "kleinen" Form aus den Tagebüchern und anderen Werken Kafkas 40 kurze expressive Fragmente -Einzelworte, Sätze.
Er vertont für Stimme und Geige nicht eigentlich Worte, sondern Seelenzustände und Befindlichkeiten in der verdämmernden K. u. K. Monarchie.
Wie in der barocken Musik werden Affekte dargestellt, aber in Kurtágs ganz neuer originaler Musiksprache. Auch hier zitiert er Musik-geschichte: z.B. Schumann, oder die Walzer-melodie der "Szene in der Elektrischen".
Das Werk kann bezüglich Umfang und Gewicht neben die grossen Liederzyklen des 19. Jahrhunderts gestellt werden.

Die Sopranistin Annette Elster und der Geiger Paul Rosner beschäftigen sich intensiv mit zeitgenössischen Musik und wurden zur Aufführung vom Komponisten persönlich aufgefordert.
Das Werk wird in diesem Jahr bei dem Festival Neue Musik im Bamberg, sowie in Mies van der Rohe Haus in Berlin von beiden Künstler aufgeführt.